Hallo, hier weitere Fotos der Session. Diesmal sind ein Tatra 813 und ein MAZ 7510 beteiligt. Bilder zum Bau hatte ich
hier schon gezeigt. Es gehört wieder eine Geschichte dazu, deshalb zitiere ich aus (F) âDIE HARZHOCHBAHN der Mansfelder - Staats - Eisenbahn MSE, kurzer Abriss der Geschichteâ, Verlag Putaverunt, Wolkenkuckucksheim, 2017, Seite 59ff:
"Ab Mitte der Sechzigerjahre erfolgten in allen Revieren im Harz sowie im Mansfelder und SangerhĂ€user Revier wieder verstĂ€rkte Erkundungen. Gesucht wurden alle Arten von BodenschĂ€tzen, nicht nur Kupfererz. Dazu wurden Tiefbohrungen niedergebracht, alte Stollen geöffnet und erkundet und selbst untertage Suchbohrungen angelegt. Die Untersuchungen wurden durch das âHardenberg Institut fĂŒr Geowissenschaften HIGWâ der UniversitĂ€t Mansfeld-Eisleben mit Sitz in Wiederstedt ausgefĂŒhrt. Zum Einsatz kamen schwere gelĂ€ndegĂ€ngige LKW, die die ErkundungsausrĂŒstung und die Arbeitsgruppen transportierten und letzteren teilweise als Nachtlager dienten. Das Institut hatte u.a. Zivilversionen der eigentlich militĂ€rischen 8X8-LKW Tatra 813 und MAZ 7510, beide mit Pritsche und Plane, beschafft. Es ging die Legende, dass der MAZ durch den damaligen Direktor
[1] des HI, wie das Institut umgangssprachlich genannt wurde, bei einem Trinkspiel im weiĂrussischen Minsk gewonnen worden war. Die sowjetischen Partner standen zu ihrem Wort und eines Tages soll ein Plattformwagen mit dem LKW an der Rampe im Mansfelder Bahnhof gestanden haben. Es war ein Kipper, anders, als im Scherz bestellt, aber die Kippmulde wurde zur normalen LadeflĂ€che umgebaut. Niemand kannte sich mit der Technik aus, bis auf den Hausmeister des Institutes. Dieser hatte als Fahrer bei den Raketentruppen der NVA gedient, die den MAZ als Startrampenfahrzeug nutzten. Typisch war die azurblaue Farbgebung mit weiĂen DĂ€chern und teilweise weiĂen Felgenringen. Die SeitenwĂ€nde der Planen waren vom Symbol des Institutes geziert. Weiterhin trugen sie den Werbespruch âIch bin Bergmann, wer ist mehr?â
[2].
Die Prospektorentrupps schienen das ein wenig nach Wildwest schmeckende Leben in Feld und Wald sehr zu genieĂen. Der Verdienst war ausgesprochen gut, es umgab sie der Nimbus des Schatzsuchers. Dabei war die Arbeit alles andere als ungefĂ€hrlich. Gelegentlich wurden verletzte Mitarbeiter gleich mit dem Tatra oder dem MAZ zur Notaufnahme des nĂ€chsten Krankenhauses gebracht. LegendĂ€r sind auch die Trinkspiele in den Bornröder Gasthöfen âZum Goldenen Brunnenâ und âZum goldenen Lindenbaum
[3]â. Der Autor kann sich noch aus seiner Jugend an die Flecken vom roten Sekt an der Decke des âBrunnensâ erinnern. Nicht nur aufgrund der Farbe der Fahrzeuge, die gelegentlich vor den Polikliniken und Gastwirtschaften parkten, wurden die lebenslustigen Prospektoren (und -innen!) âDas Himmelblau-Kommandoâ genannt.
Mit Auslaufen der Erkundungsmissionen im Harz war das renomierte Hardenberg-Institut mit seinen Erkundungstrupps und -fahrzeugen zunehmend auch im befreundeten sozialistischen Ausland tĂ€tig. Unter dem Druck der Ălkrise war der MAZ nicht mehr wirtschaftlich einsetzbar und wurde zunĂ€chst stillgelegt. Er kam dann aber an der BAM zum Einsatz, wo das Institut baubegleitend LagerstĂ€tten erforschte und Treibstoffkosten keine Rolle spielten.
[1] Prof. Dr. Bernd Terber war Direktor des Institutes von 1966 bis 1984. Er war ein Mann wie ein BĂ€r, er hatte Bergmann gelernt und einige Jahre im Kupferschiefer gearbeitet, dann wurde er zum Geologiestudium in die Sowjetunion delegiert, in Leningrad promoviert er und entwickelte sich zum international anerkannten Experten. Sein liebstes KleidungsstĂŒck (Spötter behaupteten, es wĂ€re auch sein einziges) war ein weinroter Strickpullover, den er auf Exkursionen und im Institut trug. Wenn er sich zu besonderen - aber nur zu ganz besonderen - AnlĂ€ssen in einen Anzug zwĂ€ngte, sollen Mitarbeiter schon mal, ohne ihn zu erkennen, an ihm vorbeigegangen sein. Lief er ĂŒber die Flure des Institutes, sang er leise russische Volkslieder vor sich hin.
[2] Auch zu diesem Spruch gab es eine Legende, die mit Prof. Terber zu tun hatte: Terber war als Pragmatiker bekannt, dem die Wissenschaft ĂŒber alles und die Partei, der er in seiner Position angehören musste, sonstwo entlang ging. Nach Spötteleien ĂŒber die DDR in einer Vorlesung wurde er in die Bezirks-Parteizentrale zitiert. Im StreitgesprĂ€ch brĂŒllte ihn der SekretĂ€r der Bezirksleitung an: âSIE WISSEN WOHL NICHT, MIT WEM SIE REDEN! WAS GLAUBEN SIE, WER SIE SIND?â Terber blieb ganz ruhig und antwortete: âIch bin Bergmann, wer ist mehr?â. Der Stellvertreter des SekretĂ€rs spuckte seinen Kaffee ĂŒber seine Notizen und brachte diesen Dialog in Umlauf. Obwohl Terber sich sonst vehement gegen das Anbringen von Losungen in seinem Verantwortungsbereich sperrte, setzte er durch, dass der Spruch auf die Planen der LKW kam.
[3] Die unterschiedliche GroĂ und Kleinschreibung von âgoldenâŠâ ist historisch entstanden und entzog sich aller Korrekturversuche.