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Von Kleinklöten nach Großbommeln

@WolfgangTT wenn Du Probleme mit dem hier gezeigten und gebastelten hast, schau doch einfach nicht hier rein. Und wenn Du neugierig bist, was aus altem neues entsteht, dann übe Dich doch einfach mal in Geduld. Oder bastel selbst und zeige es in Deinem eigenen Faden.
 
Wie man auf dem ersten Foto sieht, habe ich auf der Hofseite die zu großen Faschen entfernt und kann mich nun je nach Laune entscheiden, ob ich sie – bauzeitgemäß – weglasse oder schlichtere aufsetze.

Um den verworfenen unglücklich-pompösen Dachgiebel der Straßenseite als bescheidene Schleppgaube zu recyceln, habe ich das Bauteil erst mal fröhlich zersägt. Untauglich sind jedoch die winzigen, zu modernen Fenster. Statt derer will ich drei Exemplare nachnutzen, die beim Umbau des Mamos-Dorfgasthauses zur „Faulen Liese“ übriggeblieben waren. Leider hat man ziemlich zu tun, die Ausführung zu verschlanken. Sei’s drum, da mußte ich durch. Das nächste Bild zeigt die nachbearbeiteten Einsätze vor den erweiterten Fensterlaibungen. Dahinter offenbart die Straßenfront neben einer veritablen Spachtelstelle ein stark zurückgesetztes Mittelgesims.

Im Bild drei ist schon mal ein Fenster eingesetzt, während auf dem letzten Foto zu sehen ist, welche Wirkung ich mir von der neuen Gaube erhoffe. Die Wand ist noch deutlich zu hoch, schon wegen der für eine Ziegeldeckung vorgeschriebenen Dachneigung muß die Oberkante noch weiter herabgesetzt werden.

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...habe ich auf der Hofseite die zu großen Faschen entfernt...
:zustimm:
'Armeleutehäuser', speziell auf'm Dorf, waren wohl eher sparsam verziert und auf der Hofseite gleich gar nicht.
Auch die auf der Straßenseite 'hochherrschaftlich' dekorierten Mietshäuser in der Stadt (z.B MD, Hasselbachplatz) hatten (und haben noch) äußerst triste Rückseiten mit engen Höfen als Zugang zu den ärmlichen Seiten- und Hinterhäusern.
 
Dr. Schnelltod wohnt und praktiziert tatsächlich in seinem Rayonhaus. Beim im Bau befindlichen Haus ist bisher nur eine Mieterin namentlich bekannt, nämlich das Fräulein Propee. Die schon in die Jahre gekommene Dame bewohnt zwei kleine Kammern unterm Dach. Als sie noch jünger war, dichtete man ihr ein Techtelmechtel mit dem lokalen Uhrmacher an („Du sparst im Leben Dir viel Ärger, weckt Dich ein Wecker von Lutzenberger!). Doch das Fräulein Propee hielt viel auf seine Ehre und Meister Lutzenberger ebensoviel von Sitte und Anstand, und so blieben beide ledig und kinderlos und gleichwohl bis heute geachtete Einwohner Großbommelns.
 
Es ist erstaunlich, wie in diesem Forum immer wieder über die seltsamsten Dinge diskutiert werden kann und kleinste Fehler und Abweichungen zu größten Verwerfungen führen (ich erinnere mich an die Diskussion zu regionalen Eigenheiten von Fachwerken). Gleichzeitig fehlt der Wille, sich mit anderen Gegenden und ihren Spezifika auseinanderzusetzen.

Das Rayonhaus ist ein sehr spezieller Bautyp, der sich aus den spezifischen Anforderungen an das Umland einer Festungsstadt wie Magdeburg ergeben hat.

Überhaupt ist es erstaunlich, wie wenig dieser für die Frühzeit der Eisenbahn doch durchaus sehr relevanten Gegend Beachtung geschenkt wird, aber sie liegt auch nicht im Königreich Sachsen.

Das merkt man auch deutlich an der Kritik an Stedelebens neuestem Projekt. Diese Menschen sind offensichtlich noch nie durch die Dörfer der Magdeburger Börde gefahren, wenngleich ich der These der bitteren Armut nur bedingt zustimmen möchte. Die Magdeburger Börde gab den Menschen als eine der fruchtbarsten Gegenden Deutschlands durchaus ihr Auskommen. Auch die zahlreichen Kleinbahnen beweisen eine durchaus prosperierende Gegend. Ich glaube, man sollte mehr von einer deutlichen Ungleichverteilung des Einkommens sprechen, auch wenn ich die These wage, dass diese in anderen Gegenden, z. B. der Altmark, deutlich größer war.
 
Es ist tatsächlich ein Rayonhaus gemeint. Das Modell habe ich vor längerer Zeit vorgestellt. Hier war es schon fast fertig.

@Kreisfahrer: Sehr richtig! Nur, wenn ich hier von Armeleutegegend schreibe, dann, weil die breite Masse der Landarbeiter und kleinen Gewebetreibenden gemeint ist. Deren Dasein und Alltag um 1930 herum ist Gegenstand meiner Anlage, der von ihnen erarbeitete Reichtum und äußere Wohlstand der Zuckerfabrikanten, Konservenfabrikbesitzer, Großhändler und Großbauern wie etwa Reckleben in Langenweddingen, von dem hunderte bitterarme Familien abhängig waren (darunter meine Großeltern), ist nur gedanklicher Hintergrund meiner gebastelten Geschichten.
 
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Da habe ich doch wohl einen kleinen Fehler in Deinen ansonsten anspruchsvollen Texten gefunden. Na so etwas? ;)

Oh, ich finde zahreiche Tippfehler in meinen Texten, wenn ich sie später nochmals lese – das jedoch war keiner. Es erscheint nur so, weil so viele Menschen es nach Gefühl falsch machen und grammatikalisches nicht vom sozialen resp. biologischen Geschlecht zu unterscheiden wissen. DAS Fräulein ist genauso Neutrum wie DAS Mädchen, darum heißt es in beiden Fälen nicht ihre, sondern seine Ehre. DIE Frau dagegen ist grammatikalisch genauso feminin wie sozial und biologisch, weshalb sie ihre Ehre, Küche, Seidenstrümpfe etc. genauso reinhalten darf, wie DER Mann seine. (Und wenn sie es beide nicht mögen, finde ich es auch in Ordnung.)

Aber zurück auf die Baustelle: Es war nämlich höchste Zeit, auch hofseitig das Dach zu decken. Ich habe mich für eine Biberschwanz-Kronendeckung entschieden. Damals war das die mittlere Preislage – preiswerter als Pfannen oder Schiefer, aber nicht so schlicht wie Biberschwänze in Einfach- oder Doppeldeckung. Leider sind die Auhagen-Strukturplatten sehr dick, so daß sie da, wo sie auf dem Giebel aufliegen, um die Hälfte nachzusetzen waren.

Als nächstes habe ich die straßenseitige Dachfläche zum Einlassen der Gaube weiter geöffnet – siehe zweite Aufnahme. Die Gaube ist jetzt noch niedriger, ich fürchte jedoch, das wird noch immer nicht für die 35° Mindest-Dachneigung genügen. Indessen halte ich auch 30° für einen akzeptablen, modellbahntypischen Kompromiß, sofern das Dach insgesamt stimmig aussieht.

Da die Seitenflügel der Gaube fürs Satteldach zu kurz sind, habe ich Reste vom Giebel angeflickt, die letztlich mit der Feile angepaßt werden, bevor die Gaube ihren endgültigen Platz findet.

Fürs letzte Bild habe ich die rohen Teile vorsichtig lose aufgesetzt. Auch um zu prüfen, ob ich beim Fensterformat der Gaube richtig liege. Mit etwas Nacharbeit wird es passen, meine ich.

Stadthaus_6382.jpgStadthaus_6386.jpgStadthaus_6388.jpg
 
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Mitzuteilen ist, daß die Gaube eingeklebt wurde. Deren Kehlauskleidung besteht aus 0,8 mm breiten und 0,2 mm starken Streifen Polystyrol. Nachdem das geschehen war, wollte ich die Wirkung des Hauses mit Fenstereinsätzen prüfen. Doch diese blieben einfach nicht in den Öffnungen stecken, weil die Falze noch voller Klebstoffreste waren. Notgedrungen habe ich alle 13 Fenster mühsam einzeln gesäubert.

Bei der Gelegenheit lag es nahe, die Falze gleich stark herunterzusetzen. Sie weisen jetzt eine Stärke von 0,2 mm auf, womit die Laibungen besser ausgefüllt werden. Der nächste Schritt wird nun das Aufsetzen der Firststeine sein. Auch Regenrinnen könnte ich schon vor der Alterung des Daches anbringen.

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Wie kleine Details die Gesamtwirkung verändern, überrascht mich stets aufs neue. Allein der gemauerte Sockel läßt das Gebäude in meinen Augen deutlich gefälliger aussehen. Dabei wollte ich ihn ursprünglich weglassen. Nun aber bin ich froh, denn er nimmt dem stark strukturierten Erdgeschoß die Schwere.

Das trifft im gleichen Maße auf den langen Sims zwischen den Etagen zu. Man erkennt es nicht sogleich, aber diesen habe ich ebenfalls um die Hälfte zurückgefeilt, desgleichen die Ausfachungen unter den Obergeschoß-Fenstern. – Eine Heidenarbeit!

Was die Faschen der Erdgeschoßfenster anbelangt, hatte ich nicht erwartet, daß sie tatsächlich einen ganzen Millimeter aus der Fassade herausragten, umgerechnet auf den Maßstab 1:1 beachtliche zwölf Zentimeter. Aber auch die halbe Stärke ist mir noch zuviel. Ich werde da wohl nochmals die Feile ansetzen müssen.

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Ich sehe das leider anders. Gerade bei einem Gebäude wo das unterste Geschoß offensichtlich aus behauenem Naturstein erbaut ist finde ich den zurückgesetzten Sockel nicht gerade passend. Du kannst das natürlich so lassen. Mir gefällt es so nicht, auch wenn es deine Augen beruhigt, für mich hast du das Haus in Stöckelschuhe gezwängt.
 
Ist das denn Naturstein oder nur geputzte Deko in Steinoptik? Ich sah sowas schon rissig und in Platten von der Wand fallen, darunter ging es in Ziegeloptik weiter.

:nixweiss:
 
Ab und zu muß man ein bißchen spielen. Das bildet und schärft den Blick fürs Sinnvolle und Notwendige.

Darum ertappen wir heute die neugierigste Frau der Welt bei der Begutachtung des, nun ja, Neubaus. Der tiefere Sinn der Spielerei liegt in der Ermittlung, ob die schmalere Türöffnung ausreicht. – Das tut sie, denn wo Trude Nabenfett mit ihren 1,85 m Körperlänge und dem altmodischen Kleid hindurchpaßt, schafft es erst recht das unbescholtene Fräulein Propée, sein Fahrrad in den Hinterhof zu bugsieren.

Die Draufsicht im ersten Lichtbild offenbart infolge Großaufnahme, daß die Kehlauskleidung der Gaube leicht schief verläuft. Da war wohl der Lehrling nicht ganz bei der Sache. Andererseits handelt es sich um ein altes Dach, was man nach der Patinierung besser erkennen wird, und außerdem ist Perfektion die ärgste Feindin der Originaltreue.

Das dritte Foto mag andeuten, wo ich farblich mit dem Gebäude hinwill. Diese Darstellung stürzt mich allerdings in Zweifel, daß es wirklich nötig ist, im Obergeschoß mehr als die Sohlbänke anzubringen. Ohne die Faschen gefällt mir die Fassade nämlich schon ausnehmend gut. Nur an der Tür müssen sie noch nach unten verlängert werden.

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Nachtrag @magicTTfreak: Was hast Du gegen High Heels? Die machen einen schlanken Fuß und trainieren beim Gehen die Backen!

Ansonsten hat @TT-Poldij es richtig erkannt: Das ist eine bloß angeputzte Fassade; der Putzer legte für die tiefe Struktur Holzleisten ein, die er später wieder entfernte, wodurch sich das Plattenraster ergab. Ich selbst habe 22 Jahre lang in einem 1878 erbauten, denkmalgeschützten Haus gewohnt, an dem das Erdgeschoß genau so gestaltet worden war. Es sollte schwer und teuer aussehen, war aber alles nur Fake.
 
Das eine Dachgaube schief verläuft ist auch im echten Leben möglich. Kann bei Interesse bei Tageslicht mal messen. Aber bei unserem Häuschen (Baujahr vor 1900) sind es auf ca. 8 Meter bestimmt an die 10 cm. Ob es der Lehrling war oder der Meisten nen Knick :nucki: in der Optik hatte, keine Ahnung. Also passt doch bei dem Häuschen alles so wie im echten Leben.

Das Fassaden gern nur aufgeputzt oder mit einer Art Stuckteilen aufgehübscht waren, um optisch was her zu machen, war um 1900 usus, da hatten wir letzten bei einer Stadtführung in Berlin entsprechende Infos erhalten. Im Grunde waren die Straßefassaden der Mietshäuser dort auch glatt verputzt. Wer dann was her machen wollte mit seiner Immobilie, konnte je nach Geldbeutel und Geltungsdrang die Gestaltung der Frontfassade auswählen. Soll wohl richtige Kataloge mit Standartelementen für die Gestaltung gegeben haben. Verantwortlich dafür war in der Regel die Cheffin des Hauses und der Gatte mußte die Mäuse 🐭locker machen.
In Kleinklöten hat die Börse eben nur für das Aufhübschen der unteren Etage gereicht, oder es genügte in der Umgebung, der gesellschaftlichen Stellung des Hausbesitzers Ausdruck zu verleihen.
 
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