Was bringt man mit Boizenburg in Verbindung?
- Fliesen (die Marke gibt es zwar noch, aber produziert wird in Bremerhaven und im Ausland...)
- Gummitiere und anderen Süßkram (kann ich leider nichts mehr abgewinnen, ein Apfel schmeckt immer besser...)
- Raumerweiterungshallen von Klaus Both (heute gibt es innovative Rundbogenhallen aus Metall von einer andere Firma aus Boizenburg)
- Schiffe der Elbewerft
Um die Stadt an der Elbe an die weite Welt anzubinden, wurde 1890 die knapp 3 km lange Stadt- und Hafenbahn eröffnet. Bereits seit 1793 gab es die Werft. 1903 folgte das Fliesenwerk. Für das Fliesenwerk wurde der Hafen in den 1930er Jahren noch ausgebaut. U.a. wurde Ton aus Sachsen per Elbkahn angelandet und per Bahn vom Hafen zum Werk befördert.
Zwischen 1949 und 1968 betrieb die DR die Stadt- und Hafenbahn. Danach übernahm das Fliesenwerk den Betrieb und Bedienung des Anschlusses der Elbewerft. Der Hafenbetrieb wurde zugunsten der Elbewerft (Neubau einer Schiffsmontagehalle) aufgegeben.
In den 1970er Jahren entwickelte sich die Elbewerft zur Serienproduktionsstrecke für die Binnenflusskreuzfahrtschiffe vom Typ BiFa 125M und BiFa 129M, die alle für die SU bestimmt waren (und teilweise von Neckermann Reisen in der BRD vermarktet wurden). Der große Nachteil an der Boizenburger Fertigung war die Lage der Werft. Die Endmontage erfolgte in Hamburg bzw. Wismar, da die Elbbrücken zu niedrig waren). Die Kosten dafür durfte die permanent klamme DDR in harten Devisen zahlen, während die SU mit Transferrubel die Schiffe verrechnete... Die Lage der Werft hatte sogar Konsequenzen für die Beschäftigten der Werft. Das Holzlager am westlichen Ende durfte nur mit Passierschein betreten werden.
Die letzten Neubauten der Elbewerft Boizenburg waren 5 Containerfeeder für 4 deutsche Reeder. Die Lage an der Elbe hatte sich nicht geändert, so dass nur die Hinterschiffe in Boizenburg gefertigt wurden. Die Vorderschiffe wurden in der Türkei gebaut. Auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven bzw. bei Sietas in Hamburg montiert. Das letzte Schiff wurde 1998 übergeben und damit endete auch der Schiffsbau in Boizenburg.
Theoretisch ist das ganze ein recht interessante Anlagenthema auf verhältnismäßig wenig Raum.
Dieser EDK 10 steht auf dem einstigen Werftgelände. Gebaut wurde der Kran 1954 beim VEB Schwermaschinenbau S.M. Kirow in Leipzig. Zwischen 1967 und 1997 diente er der Werft. Einen ähnlichen "Werftkran" aus Leipzig (anderer Ausleger) erhielt 1960 die HDW-Werft in Kiel. Diese soll sich beim VVM in Schönberger Strand befinden.
Bedient wurde der Werftanschluss u.a. von dieser LKM N4B des Fliesenwerkes. Die Lok steht im Bier-/Eisgarten des ehemaligen Empfangs- und Verwaltungsgebäudes der Boizenburger Stadt- und Hafenbahn. In den 1980er Jahren verfügte das Fliesenwerk auch noch über zwei Kaluga-Rangierloks, wobei die zweite erst 1989 geliefert wurde.
Der Hellingskran von Takraf.
Der Ausrüstungskran von Takraf.
Ein Ossi bei den "echten Ossis" im ostfriesischen Leer. Der heutige Seelenverkäufer DUO lief 1958 in Boizenburg vom Stapel. Anfang 1959 wurde er dem VEB Fischfang Saßnitz übergeben und als SAS 317 EISHAI in Dienst gestellt. 1991 wurde er privatisiert. In der Regel haben die damaligen Kapitäne für einen Appel und ein Ei die 26,5m Kutter übernommen. Bis 2011 wurde mit dem Stahlkutter noch gefischt. Dann erfolgte der Verkauf und die Umbenennung in DUO. Eingesetzt wurde er bis 2017 bei OPUS Marine, einem Offshore-Dienstleister. Es erfolgte erneut ein Verkauf und das Schiff gammelt vor sich hin...
In dem Gebäude im Hintergrund hat die Reederei von Kapitän Roelf Briese seinen Sitz. Rund 160 Schiffe werden von dort weltweit bereedert. Leer ist nach Hamburg der zweitwichtigste Reederei-Standort in Deutschland. Neben Briese ist auch die Reederei Hartmann (um die 90 Schiffe) in beschaulichen Leer ansässig.