Artikel aus der Sächs. Zeitung 28.01. online, ob der Link am Ende funktioniert
Königstein. Ausräumaktion im Elbe-Freizeitland: Der Verein Miniaturelbtal Königstein musste seine Modellbahn-Ausstellung abbauen. Der Verein hatte 2019 einen Nutzungsvertrag mit dem damaligen Eigentümer des Elbefreizeitlandes, Frank Nuhn, geschlossen. Dieser sollte bis 2029 laufen, nun wurde der Vertrag jedoch von der aktuellen Besitzerin des Freizeitparks fristlos gekündigt.
Vereins- und Stadtratsmitglied Jürgen Richter verbreitete die Nachricht. Er macht seinem Unmut Luft und spricht von der Vertragsauflösung „unter fadenscheinigen Gründen“. „Ehrenamt wurde hier regelrecht mit Füßen getreten“, schreibt Richter. Indessen äußert sich Eigentümerin Diana Blanco Reynoso ebenso traurig über diese Entwicklung. „Die Entscheidung ist mir wirklich nicht leichtgefallen“, sagt Blanco, „es ist nicht schön, aber ich habe keinen anderen Ausweg gesehen.“
Schwere Vorwürfe gegen den Verein: Was ist vorgefallen?
Das Vertragspapier zwischen Verein und Elbefreizeitland beinhaltete die kostenfreie Nutzung der Modellbauhalle. Laut Eigentümerin seien darin außerdem die Raumeinteilungen innerhalb des Gebäudes geregelt. Möglichkeiten einer regulären Kündigung seien nicht vorgesehen.
Warum der Vertrag gekündigt wurde? Blanco spricht von groben Vertragsverletzungen und Vertrauensbruch. „Sie haben ohne meine Erlaubnis die Schlösser herausgebrochen und ausgetauscht.“ Damit habe sie auch keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Räumen in der Halle gehabt. Dem entgegen äußerte Vereinschef Prescher, der Schlössertausch wäre bei Vertragsschluss mit Vorbesitzer Frank Nuhn abgesprochen gewesen. Auf gemeinsam genutzte Räume wie den Keller hätte sie weiterhin Zugriff gehabt.
Streitthema war unter anderem die Nutzung einiger Räumlichkeiten innerhalb einer großen Halle. Der kostenfreie Nutzungsvertrag würde den Einmietern die Modellbauhalle sowie einige Nebenräume zugestehen. Weitere Stellräume innerhalb des Gebäudes seien nur den Eigentümern vorbehalten.
Der Vorwurf: Die Modellbauer hätten über die erlaubten Räume hinaus die Fläche genutzt, so Blanco. Die Nutzungsverhältnisse seien vertraglich geregelt und abgesprochen gewesen, ob es eine Besichtigung vor Vertragsschluss gegeben habe, wisse Blanco allerdings nicht mehr.
Prescher erinnert sich, dass es keine Inventarliste oder ein Übergabeprotokoll gegeben hätte, weist jedoch die Vorwürfe der unerlaubten Raumnutzung größtenteils zurück. Ergänzend äußert Richter: „Die anderen Räume waren größtenteils leer und die Nutzung immer im Einvernehmen mit Herrn Nuhn.“
Nutzungskonflikte, mutmaßliche Regelverstöße oder Missverständnisse?
Außerdem habe der Verein seinen Müll in die gewerblichen Tonnen des Elbefreizeitlandes entsorgt – unerlaubt und wiederholt. „Sie haben es erst noch bestritten“, sagt Blanco, „aber ich war ja dabei.“ Im August 2025 habe sie davon erfahren, seitdem traten immer mehr Konfliktpunkte auf. Jürgen Richter räumt ein, ein Mitglied habe „einmal eine Tüte in den Container geworfen. Das sind eben Sachen, die Besucher entsorgen.“
Ein weiterer Vorwurf: Eine Person habe unabgesprochen auf dem Gelände übernachtet, was der Verein zunächst bestritten, dann aber eingeräumt habe, so Blanco. „An der Anlage gab es einen technischen Defekt. Der musste geflext werden und da fliegen üblicherweise Funken“, begründet Richter. An diesem Tag soll ein Vereinsmitglied die Anlage für den nächsten Tag präpariert und in der Nacht Feuerwache gehalten haben.
Keine Kompromissbereitschaft erkennbar
Jürgen Richter spricht von haltlosen Vorwürfen und einem „abgekarteten Spiel“. Abstimmungen oder Kompromisslösungen über einen eigenen Nutzungsanspruch der Halle habe es nie gegeben.
Blanco hingegen gibt an, sie wollte Vereinschef Prescher mehrfach zur Rede stellen und eine Lösung finden. Doch dieser soll auf die Nutzung des Haupthauses bestanden haben: „Ohne Nutzung der 1. Etage sei keine Einigung möglich“, liest Blanco aus einer Mail vor. „Wir haben kein Interesse an sinnlosen Konflikten“, sagt Richter. „Sie hätte ja auch in Verhandlungen eintreten können, da wären wir die Letzten gewesen, die nein sagen.“
Eine friedliche Einigung wäre für Blanco nicht mehr absehbar gewesen. Somit stellte sie dem Verein Mitte Dezember ein Ultimatum. Bis Mitte Januar seien die Räume zu verlassen und im Urzustand zurückzugeben. Jürgen Richter kritisiert: „Das ist auch ein viel zu kurzer Zeitraum, um da noch juristisch vorgehen zu können.“ Zu einem klärenden Gespräch am 15. Januar habe die fristlose Kündigung bereits auf dem Schreibtisch von Blanco gelegen. Die Tür zur Ausstellungshalle sei obendrein verbarrikadiert gewesen, erinnert sich Richter. „Die Tür ging aufzuschließen, aber es waren von innen Bretter dagegen geschraubt.“
„Grober Undank“ gegenüber dem Verein?
Die Anlage bliebe vorerst geschlossen, Blanco hofft jedoch, einen neuen Betreiber zu finden. Beide Parteien sprechen von einer reibungslosen Zusammenarbeit „ohne Zwischenfälle für fünfeinhalb Jahre“. Einige Hobby-Eisenbahner spekulieren deshalb, es könnte persönliche Gründe Blancos geben, weshalb der Verein die Fläche so kurzfristig räumen musste. Richter spricht von „grobem Undank“ und betont: „Es ist völlig widersinnig im Vergleich zu dem, was der Verein hier geleistet hat.“
Vereinsmitglieder hätten sich umfangreich um die gesamte Halle gekümmert, „obwohl das eigentlich Aufgabe des Besitzers wäre“, sagt Richter. „Fenster und Türen haben wir gestrichen, Rasen gemäht und Gestrüpp weggeschnitten“, ergänzt Prescher. „Zuletzt haben wir sogar eine Heizung für viel Geld repariert.“ Die kurzfristige Kündigung stößt auf großes Unverständnis im Verein und „führte zu einer massiven Demotivation der Ehrenamtlichen“, erzählt Richter.
Vereinsmitglieder äußern Unverständnis
„Die Region verliert damit eine beispiellos originalgetreue Anlage“, meint Richter. Ein Großteil der Modellbahnanlage im Elbefreizeitland in Königstein gehört zwar zum Eigentum von Blanco. Der Verein habe die Anlage aber mit immensem technischem Know-how betrieben, instandgehalten und erweitert, so Prescher. Eigene Spuren und Modell-Häuschen wurden nun folglich zurückgebaut, der Kern der Anlage steht jedoch nach wie vor im Elbefreizeitland. „Das ist wie, wenn man den Kopf vom Körper trennt“, erklärt Richter. „Der Körper liegt jetzt noch in der Halle, aber den Kopf haben wir mitgenommen.“
Modellbauvereine aus ganz Deutschland sollen sich entsetzt bei Prescher gemeldet und deren Hilfe angeboten haben. Doch solange der Verein nicht über die Anlage im Elbefreizeitland verfügen darf, würde es sie wohl nie wieder so geben wie bisher, äußern Jürgen Richter und Holger Prescher niedergeschlagen.
Ein abruptes Ende für das Miniaturelbtal: Der Verein musste die Ausstellung nach einer fristlosen Kündigung abbauen. Während die Eigentümerin Vorwürfe erhebt, beklagen Kritiker den Verlust eines regionalen Highlights. Was ist passiert?
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