Der Ameisenbär ist eigentlich ein schlechtes von Vorbild für den Modellhersteller. Bei den 59 in Wismar gebauten Exemplaren gab es 5 unterschiedliche Untertypen und dann erfüllte man auch noch die Extrawünschen der jeweiligen Besteller. Selbst bei 8 Exemplaren, die die Reichsbahn 1935 im Saarland übernahm, gab es drei Untertypen.
Bei den drei gebauten Exemplaren mit 750 mm Spurweite gab es zwei unterschiedlich breite Varianten. Das erste Exemplar wurde 1937 vom Bahnverband Cloppenburg für die Kleinbahn Cloppenburg - Landesgrenze bestellt und 1938 ausgeliefert. Da man befürchtete, dass der
Triebwagen auf 750 mm Spurweite kippen könne, hat man die Wagenkasten nur in 2.100 mm Breite ausgeführt. 1951 ging der Triebwagen nach Hoya und wurde dort auf 1.000 mm Spurweite umgespurt. Dort traf der Triebwagen auf einen weiteres Schweineschnäuzchen. Dieser 1.000 mm Triebwagen war aber länger und breiter. Beide Exemplare wurden verschrotten. Der T41, der heute beim DEV vorhanden ist, stammt von der Steinhuder Meer-Bahn.
Nachdem Bedenken wegen der Standsicherheit ausgeräumt waren, bestellten die Prignitzer Schmalspurbahnen zwei Triebwagen mit 2.300 mm breiten Wagenkasten. Die entsprachen den Typ E, wie auch auch der Triebwagen mit 1.000 mm Spurweite der Steinhuder Meer-Bahn. Ein Unterschied war aber der Motor. Die beiden Prignitzer Triebwagen hatten Ford BB - Motoren. Der Steinhuder Triebwagen hatte Ford AA - Motoren. Da die Waggonfabrik Wismar auch die Kühler und Motorhauben übernahm, gab es auch leichte optische Unterschiede. Die DR baute Anfang der 1960er Jahre beide Pollo-Triebwagen aus Granit 32 - Diesel um. Ein luftgekühlter Motor braucht keinen Kühler. Stattdessen braucht es ein Gebläse. So änderte sich auch die Form der Haube. Zusätzlich wurde eine Sirokko-Heizung auf einer Seite in der Mitte des Triebwagens eingebaut.
Generell hatten die Schmalspur-Ameisenbären (1.000 mm, 900 mm, 785 mm und 750 mm Spurweite) mit 650 mm einen um 50 mm geringeren Raddurchmesser als ihre normalspurigen Kollegen.
Bei den normalspurigen Exemplaren der DR waren die Unterschiede auch deutlich. Der VT 133 513 (Vorbild von Beckmann) gehört zum Typ B, weicht aber deutlich von anderen Typ B - Exemplaren ab. Der Achsstand beträgt 3.500mm, was identisch mit dem Achsstand des Typ E ist, aber üblich waren eigentlich 4.000 mm beim Typ B. Die Karosse des Triebwagen unterschied sich nicht nur in der Breite zum den beiden Pollo-Exemplaren, sondern auch in der Form. Das waren s.g. Achteck-Karossen. Die Fahrzeugbreite des VT 133 513 betrug 2.935 mm. Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn, die den Triebwagen in Wismar bestellte, entschied sich auch gegen die üblichen Schiebetüren. Stattdessen wurden Drehtüren verbaut. Mit Drehtüren lieferte die Waggonfabrik Wismar nur 3 Exemplare aus. Herr Beckmann hat das Modell damals auch recht frei umgesetzt. So hatte das Original keine Gepäckkörbe.
Der VT 133 507 (Vorbild von MBS/Karsei) ist auch ein Typ B. Dieser hatte einen Achsstand von 4.000mm. Die Karosse war auch als Achteck-Karosse ausgeführt. Sie verfügte aber über Schiebetüren. Das Original wurde von der Niederlausitzer Eisenbahn bestellt. Bei der DR wurde erfolgte irgendwann der Umbau auf den luftgekühlten Diesel vom Typ Granit 32 mit modifizierter Schnauze.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Modelle unterschiedlicher Hersteller/Typen zu vergleichen macht keinen Sinn, wenn sie nicht exakt das gleiche Vorbild haben.
Bei einem Kleinserien-Modell erwartet ich eigentlich ein höhere Qualitätsniveau als bei einem Großserienmodell. Dafür bin ich dann auch bereit eine höhere Summe zu investieren. Ein Hersteller von individuellen optisch schönen anlogen H0-Schweineschnäuzchen (technisch kann ich sie nicht beurteilen) verlangt 600,- bis 620,- € für das Fertigmodell. Da stecken dann auch 12h Handarbeit drin. Und wenn ich hier lese, dass Karsei nur 200,- € für das Modell verlangt. Zieht man Steuern und Händlermarge ab, dann kann sich jeder selbst ausrechnen, wieviel Zeit für Lackierung und Montage übrig bleicht. Trauriges Fazit: Es kann nur an der Qualität gespart werden.
Und der Versender aus Sachsen sollte auch mal sein Geschäftsmodell überdenken. Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt und nicht die Ware.