Ein paar allgemeine Gedanken – ein wenig im Kontext der Auhagen-Produkte insgesamt...
Ich habe mir in den letzten Tagen den neuen Auhagen-Katalog genauer angesehen und möchte dazu ein paar allgemeine Gedanken teilen, die sich daraus ergeben haben.
Die bisherigen Kataloge (Nr. 15, 16 und 17) waren für mich ein sehr solides Kompendium des Sortiments – eine wirklich vollständige Übersicht über das verfügbare Programm. Natürlich mit dem Vorbehalt, dass jedes Jahr neue Artikel hinzukommen (was dann durch separate Neuheitenprospekte ergänzt wurde und den Katalog quasi „aktuell gehalten“ hat). Ebenso gab es Artikel in Kleinserien oder zeitlich begrenzte Produkte (z. B. Multicar-Einmalserien), bei denen man wusste, dass sie möglicherweise nicht über die gesamte Laufzeit verfügbar sein würden. Insgesamt war es jedoch eine verlässliche und sehr nützliche Referenz – auch im Hinblick auf die Entwicklung des Sortiments, inklusive Neuheiten und auslaufender Produkte.
Der aktuelle Katalog hinterlässt bei mir jedoch einen etwas anderen Eindruck. Er scheint kein vollständiges Sortiment mehr abzubilden, und es wirkt so, als würde dieser Anspruch auch gar nicht mehr erhoben werden – was sogar am Anfang des Katalogs angedeutet wird. Stattdessen wurde der Inhalt deutlich stärker mit historischen und markenbezogenen Themen ergänzt. Und das ist grundsätzlich positiv – die Geschichte des Unternehmens ist interessant und gut dargestellt.
Die Frage ist nur: Was soll der Katalog heute eigentlich sein? Eine zuverlässige und vollständige Produktübersicht oder eher ein narrativ geprägtes Markenbuch? Ein Katalog oder eine Firmenbuch?
Nach der Durchsicht bleibt bei mir auf jeden Fall der Eindruck von „Qualität & Tradition“ – aber nicht mehr unbedingt ein vollständiger Überblick über das aktuelle Sortiment.
Diese Zielverschiebung scheint mir auch ein Stück weit die aktuelle Entwicklung bei Auhagen zu widerspiegeln: eine starke Fokussierung auf Markenimage und Marketing, manchmal auf Kosten des eigentlichen Produkts.
Ein paar Beispiele, die mir dabei aufgefallen sind:
- Schöne Verpackungen mit Beileger, aber die Modelle selbst liegen oft lose im Karton, ohne ausreichenden Schutz vor Beschädigung oder Verlust kleiner Teile. Besonders empfindliche transparente Bauteile sind dadurch unnötigen Risiken ausgesetzt (Kratzen).
- Sehr gelungene YouTube-Formate mit Mike, Markus und Alex, die spannende Einblicke geben – gleichzeitig trifft man dort auch auf wieder aufgelegte ältere DDR-Modelle. Ich habe grundsätzlich nichts gegen diese Modelle, aber wenn sie zurück ins Sortiment kommen, wäre vielleicht eine klare „Vintage“-Linie sinnvoll (ähnlich wie bei Faller). Sonst kann beim ersten Kontakt mit der Marke schnell ein eher ungünstiger Eindruck im Vergleich zur Konkurrenz entstehen.
- Trennung zwischen den Marken Auhagen und Minicar mag aus Marketingsicht interessant sein, wirkt in der Praxis – insbesondere im TT-Bereich – jedoch teilweise wenig konsistent. Hier überwiegt manchmal der Schein gegenüber dem Sein. Selbst wenn diese Trennung beibehalten wird, bleibt sie für den Nutzer nicht immer nachvollziehbar. Warum ist ein Multicar-Modell Auhagen und ein Robur-Modell Minicar? Gehört der zum Multicar gehörende Anhänger mit Kompressor zu Auhagen, während derselbe Anhänger beim Robur zu Minicar zählt? Aus Unternehmenssicht wirkt das wie ein unnötiges Beispiel für eine Überbetonung von Markennamen auf Kosten der Produktklarheit.
- Interessante Formate wie „Hüttengrundfunk“ stärken zwar Marke und Community, verbessern aber nicht direkt die Wettbewerbsfähigkeit des Produkts selbst. Und genau dort sehe ich aktuell die Herausforderung: Die Preise sind deutlich gestiegen und lassen sich nur durch ein wirklich überzeugendes Produkt rechtfertigen. Und ein gutes Produkt hat Auhagen meiner Meinung nach durchaus – es sollte nur wieder stärker in den Mittelpunkt rücken !!!
Und um es klarzustellen: Ich liebe Auhagen! Welcher andere Hersteller würde heute noch kostenlos ein fehlendes Teil für ein Modell aus den 1980er-Jahren nachschicken, wenn sich beim Öffnen der Schachtel nach einem halben Jahrhundert herausstellt, dass ein einzelner Spritzguss fehlt? Zusammengefasst habe ich leider den Eindruck, dass Marketing und Markenkommunikation derzeit einen sehr hohen Stellenwert haben, während das eigentliche Produkt (Produktpflege) und das Sortiment etwas in den Hintergrund geraten sind. Gerade hier sehe ich aber sowohl das größte Risiko als auch das größte Potenzial!!!