Manchmal juckt es in den Fingern, sofort auszuprobieren, was einem durch den Kopf schwirrt. Vorliegend waren es die Nottritte unter dem Langträger. Die sollten eigentlich später in einem Ruck für alle geplanten
Wagen angefertigt werden, aber plötzlich und unerwartet packte mich akute Neugier.
Zunächst dies als Hintergrund: Ursprünglich gab es diese Trittbretter nicht, bis sich bei einigen Bahnunfällen erwies, daß die Opferzahl so hoch war, weil Reisende in den verunfallten Wagen eingeschlossen waren. Den letzten Ausschlag gab der Unfall zwischen Mühlheim/Main und Offenbach/Main am 8. 11. 1900, als gegen 22.30 Uhr im dichten Nebel ein Personenzug mit neun Wagen auf den außerplanmäßig haltenden D 42 Frankfurt am Main – Berlin auffuhr. Beim letzten des aus vier Wagen bestehenden D-Zugs geriet der Leuchtgasbehälter in Brand, der Wagenkasten wurde derart verformt, daß die Türen verklemmten. Die Fenster waren generell nicht zu öffnen. Es gab zwölf Tote und drei Schwerverletzte. Danach wurden die Vorschriften geändert. Die Wagen waren mit von innen zu öffnenden Fenstern aus- bzw. nachzurüsten. Notgriffstangen unter den Fenstern und dazugehörige Trittbretter unter den Langträgern waren von nun an verpflichtend. Vor dem Sprengwerk wurde auch eine Leiter obligatorisch, die Rettungskräfte im Notfall von außen anlegen konnten.
Wie sieht’s damit eigentlich bei den 2024 und 2025 zum „Modell des Jahres“ gekürten käuflichen TT-Wagen aus? Saxonia hat dem sächsischen C4ü Sa 07 weder Notgriffe noch -tritte, aber immerhin Notleitern spendiert, die Reisenden in Tilligs Oberlicht-Preußen haben … hoffentlich Schutzengel.
Daß man sich im Wagenwerk Kleinklöten streng an die Vorschriften hält, belegen die Lichtbilder. Das erste Bild zeigt den unterm Langträger noch nackigen Wagen, die anderen lassen schon tiefer blicken. Eine elende Fummelei war's, aber das Ergebnis überzeugt mich, wenngleich von vornherein klar war, daß wegen der Auslenkung der Drehgestelle nicht sämtliche Tritte nachgebildet werden können – im Gegensatz zu den Notgriffen unterhalb der Fenster. Das wird erst ein Spaß!
Schließlich sei auf den schon mal probeweise eingesetzten Faltenbalg auf dem dritten Foto hingewiesen, und damit endet auch dieser Rohbau.


