Ich bin vom Dieselfan zum Elekrofan geworden und das als Vielfahrer (60.000 bis 80.000 km p.a.). Vor 15 Jahren hätte ich E-Wagen-Kutscher noch als Spinner bezeichnet.
ES GIBT NUR EINEN KNACKPUNKT:
Der Preis bei der Anschaffung des Gefährts. Günstige E-Wagen haben nur kleine Batterien und somit kleine Reichweiten. Mit halbwegs vernünftiger Reichweite geht es schon richtig ins Geld. Zwischen der günstigsten Variante des ID.Polo mit 37 kWh und der günstigen Variante mit 52 kWh-Batterie liegen knapp 9.000 € Preisunterschied.
Ein Privileg haben Selbstständige und Personen, die einen Dienstwagen zur Eigennutzung von ihrem Arbeitgeber gestellt bekommen. Da fährt man schon heute deutlich günstiger als mit einem Verbrenner.
Zur zweiten Gruppe gehöre ich und ich fahre inzwischen den vierten Elektrowagen längerfristig. Der fünfte ist bereits bestellt. Liegt daran, dass die Fahrzeuge in unserem Flottenleasingvertrag nach 90.000 km getauscht werden. Die Probleme lagen nicht bei den Fahrzeugen, sondern - gerade bei dem ersten Fahrzeug - beim Fahrer. Ist halt eine Umstellungsphase. Die Kiste wird an öffentlichen DC-Ladern geladen. Das geht schnell und nebenbei kann man kurz den Laptop aufklappen und die neusten Geschichten im
TT-Board lesen. Wenn ich mitten in der Woche tagsüber einen blöden Kommentar hier schreibe, stehe ich meistens an der Ladesäule irgendwo in die Republik.
Komisch das Elektromobilität in anderen europäischen Ländern wesentlich besser funktioniert und es keine derartigen Diskussionen gibt. (Zumindest bekommt man davon nichts mit) Ist das etwa ein deutsches Problem?
Das funktioniert dort, wo man es richtig im Geldbeutel merkt. Es gibt Länder wie Dänemark oder Norwegen, wo fast keine Verbrenner als Neuwagen an privat verkauft werden. Da waren Autos durch sehr hohe Zulassungsabgaben von eh recht teuer. In Dänemark waren es bis zu 185% vom Fahrzeugpreis zuzüglich 25% MwSt.. Die hat man bei E-Fahrzeugen deutlich zusammengestrichen und dadurch sind sie halt günstiger.
So etwas kennen wir nicht. Bei uns sind es 6.000,- € plus 500,- € pro Kind (max. 2 und unter 18 Jahren). Aber auch nur, wenn die Grenzen des zu versteuernden Haushalteinkommens passen. Bei meinen Schwiegereltern (beide Rentner) hat es gepasst. So gab es 6.000,- € aus dem Staatshaushalt für den neuen Japaner. Ein Haken hat die Sache: Die 6.000,- € müssen selbst vorfinanziert werden.
Der Witz an der Sache war, dass der Elektro-Japaner dadurch exakt den gleichen Listenpreis wie der vergleichbare Mild-Hybrid-Verbrenner hatte. Und bei den jetzigen Tankpreisen ging die Wahl ganz klar zu Elektro. Die beiden sind über 70 und waren den ganzen August mit ihrem neuen Spielzeug im Baltikum unterwegs und haben nur den Landweg benutzt. Das Auto ist erst im Juli ausgeliefert worden und hat jetzt schon knapp 10.000 km auf den Tacho. Und im Januar/Februar soll es mit dem Auto nach Spanien/Portugal gehen...
Meine Eltern werden im Gegensatz dazu beim Benziner bleiben. Das jetzige Auto hat gerade mal 58.000 km auf den Tacho und bei um die 5.000 km p.a. ist Tanken immer noch wirtschaftlicher als ein Elektrowagen. Wenn die Kiste nicht auseinanderfällt, wird es ihr letztes Auto sein.
Was ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, dass elektrische LKW im Fernverkehr funktionieren und locker 2 Lenkzeiten durchhalten können. Ich hatte das Glück über ein paar Kontakte einen eActros 600 mit einem beladenen Auflieger gut 1h fahren zu dürfen. (Die Fahrt fand auf einem Testgelände statt - ich habe zwar einen LKW-Lappen, aber keine 95/
Module). Das hat Spaß gemacht. Leider durfte ich dort keine Fotos machen... Von der Daimler-Technik bin ich begeistert, nur halt nicht vom Actros - Raumkonzept. Da gibt es in den Niederlanden ein deutlich besseres...
Am Ende ist jeder seines eigenen Glückes Schmied und muss für sich selbst entscheiden, was der bessere Weg ist. Das funktioniert mit Ausprobieren und Rechnen. Wer heute einen Verbrenner fährt, sollte sich mal einen E-Flitzer von seinem "Freundlichen" ausleihen. Nicht für ein paar Stunden, sondern für 1 oder 2 volle Tage. Und die Kosten kann jeder selbst ausrechnen. Dafür sind wir mal zur Schule gegangen und haben dort das Rechnen gelernt.