Fährverkehr nach Skandinavien und Finnland
Wer seinen Urlaub in Skandinavien oder Finnland verbringen will, ist teilweise auf Fährschiffe angewiesen. Das betrifft natürlich auch die Fracht. Hier gibt es in der nächsten Zeit ein paar Änderungen:
TT Line
Die Lübecker Reederei wird im nächsten Jahr zusammen mit Viking Line von den Åland-Insel ein neues Gemeinschaftsunternehmen an den Start bringen. Gemeinsam wird man den Fährverkehr zwischen Estland (Muuga bei Tallinn) und Finnland (Vuosaari / Helsinki) aufnehmen. Es wird das bisherige Angebot von Viking Line zwischen Tallinn und Helsinki ergänzen.
Dazu beteiligt sich Viking Line mit 50% am ältesten Fährschiff der TT Line - Flotte.
Die HUCKLEBERRY FINN in Warnemünde
Die HUCKLEBERRY FINN wurde 1988 als als NILS DACKE in Dienst gestellt. Gebaut wurde das Fährschiff als Eisenbahnfährschiff auf der Schichau-Seebeckwerft in Bremerhaven. Nur wurden auf den Gleisen nie Waggons befördert.
1993 erfolgte daher der Umbau zu einem auf mehr Passagiere ausgelegtem Fährschiff in Finnland. Sie bekam den neuen Namen PETER PAN verpasst. So war sie bis 2002 unterwegs. Dann stellte TT Line die 5. PETER PAN in Dienst. Aus der 4. PETER PAN wurde die HUCKLEBERRY FINN. 2002 wurde das Schiff nochmals umgebaut. Der Passagierbereich wurde wieder reduziert.
Zusammen mit ihrer baugleichen Schwester TOM SAWYER waren sie jahrelang die Stammfähren zwischen Rostock und Trelleborg. Nun trennen sich die Wege.
Als "Ersatz" kommt im Dezember 2026 die AKKA zurück in die Ostseeflotte von TT Line.
Die AKKA ebenfalls in Warnemünde
2001 stellte TT Line die 6. NILS HOLGERSSON in der Firmengeschichte in Dienst. Das Fährschiff wurde bei SSW Fähr- und Spezialschiffbau in Bremerhaven gebaut. 2022 folgte die 7. NILS HOLGERSSON und die Vorgängerin bekam den Namen AKKA (Leitgans von Nils Holgersson) verpasst.
Seit 2025 durfte sie ihr Marine Gas Oil bei anderen Reedern im Charter verdienen. Zunächst lief sie in der Adria für die Atiica - Gruppe und dieses Jahr war sie im Charter für Hibernia Line zwischen Frankreich und Irland unterwegs.
PolSca
Bei den Polen gibt es Licht und Schatten. PolSca ist ein (Marken-)Zusammenschluss von EuroAfrica (Unity Line), Polska Żegluga Morska (Unity Line) und Polska Żegluga Bałtycka (Polferries).
Gegründet wurde der Zusammenschluss, um insbesondere der starken Konkurrenz von Finnlines und TT Line in Swinemünde Parole zu bieten.
Dabei gibt es Licht und Schatten.
In ein paar Tagen wird die neue BURSZTYN UNITY von Polska Żegluga Morska in Stettin getauft. Die Taufe erfolgt am Polnischen Unabhängigkeitstag. Eine echte Besonderheit ist, dass das Fährschiff unter Polnischer Flagge zwischen Swinemünde und Ystad unterwegs sein wird.
Ihre baugleiche Schwester JANTAR UNITY, die im Januar 2026 getauft wurde, segelt wie die anderen Fährschiffe von Polska Żegluga Morska unter der Flagge Zypern über die Ostsee. Dabei ist Polska Żegluga Morska ein Unternehmen, welches sich im Besitz des polnischen Staates befindet....
Auch Polska Żegluga Bałtycka befindet sich im Besitz des polnischen Staates. Dieses Unternehmen hat aktuell erhebliche finanzielle Probleme.
Das größte Problem für die Seeleute ist die Heuer. Diese wird seit diesem Jahr sehr unregelmäßig gezahlt. In den letzten Monaten gab es nur Vorauszahlungen in Höhe von 600,- € pro Monat. Die Heuer wird in € ausgezahlt, da die Besatzungsmitglieder Arbeitsverträge mit einem Tochterunternehmen auf Zypern haben. Die Fährschiffe von Polska Żegluga Bałtycka segeln unter die Flagge von den Bahamas.
Die Zahlungsprobleme führen dazu, dass erfahrende Seeleute bereits das Unternehmen verlassen haben.
Außenstände hat man aber nicht nur bei der Besatzung. Es gibt auch noch unbezahlte Rechnung von Hafengebühren in Schweden und Außenstände bei ETS-Abgaben.
Die Probleme sind zum größten Teil hausgemacht.
2017 wollte man ein neues Fährschiff in Polen bauen lassen. Es kam zur Kiellegung, aber danach passierte nicht mehr viel. Die ersten Stahlteile des Neubaus wurden inzwischen verschrottet. Das belastet die Bilanz des Unternehmens erheblich und interessiert inzwischen auch die Staatsanwaltschaft.
Das nächste Desaster ist der 10jährige Chartervertrag für VARSOVIA, die man 2024 in Dienst gestellt hat. Es war der erste Neubau von Polferries nach gut 20 Jahren. Nur hat man sich bei den Kosten (Charter und Betrieb) mächtig verkalkuliert. Im Gegensatz zu den anderen Fährschiffen von Polska Żegluga Bałtycka segelt die VARSOVIA unter der Flagge von Zypern.
Es gab zwar inzwischen einen Überbrückungskredit, aber dieser muss auch irgendwann bedient werden. Und die großen Kosten kommen traditionell zum Jahreswechsel, wenn die Dockungen der Fährschiffe anstehen.
Es wird daher reichlich spekuliert, was mit Polska Żegluga Bałtycka passiert. Die Situation sorgt auch schon für reichlich Zoff in der polnischen Politik. Von neuen Projekten redet erstmal keiner mehr. So wollte z.B. Polferries den Fährbetrieb von Kolberg zur Sonneninsel Bornholm aufnehmen.
STENA LINE
Das schwedische Familienunternehmen STENA AB kauft das norwegische Familienunternehmen COLOR LINE, dass u.a die Fährlinie zwischen Kiel und Oslo betreiben.
Die Marke COLOR LINE wird erhalten bleiben. Das ist die zweite Übernahme von STENA AB in der Ostsee in den diesem Jahr. Im Februar hatte man den Betrieb von WASALINE von der Stadt Vaasa (Finnland) und der Gemeinde Umeå (Schweden) übernommen.
Königslinie vor der Wiedergeburt?
Jetzt wird es richtig kurios.
Ein Unternehmen hat angekündigt die Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg wiederzubeleben. Nun erklärt der Hafenbetreiber, er wisse von nichts. Ausgeschlossen ist eine neue Fährverbindung nach Südschweden aber nicht.
www.ndr.de
und dazu die Unternehmensseite:
HLS Hanse Line Shipping GmbH Berlin – Forschung und Geschichte der Hanseschifffahrt auf der Ostsee. Geplante Königslinie und Kaliningradlinie ab 01.07.2027.
hanse-line.de
Für mich ist das eine Luftnummer. Wenn man in Juli 2027 starten will, dann muss das das Schiff heute schon feststehen. Die DROTTEN wird es jedenfalls nicht. Sie wird anderswo gebraucht.
Die ganzen Entwicklungen zeigen, dass der Fährmarkt in der Ostsee in Bewegung ist. Hier spielen auch die Kosten eine entscheidende Rolle. Wir alle kennen die Kosten für fossile Brennstoffe. Diese treffen auch auch die Fährgesellschaften. Teilweise tritt der Effekt erst mit Verzögerung auf, da die Reeder die Brennstoffe im voraus kaufen. Hinzu kommen noch die Kosten im Rahmen des CO₂-Emissionshandels. Bunker- und ETS-Zuschläge werden daher monatlich oder vierteljährlich von den Reedern neu kalkuliert.
Trotzdem sollte man sich daran nicht den Urlaub 2027 in Skandinavien oder Finnland vermiesen lassen. Frühzeitiges Planen und Buchen der Fähren sichert in der Regel günstige Preise.