Dann schauen wir uns mal in der neuen Sonderausstellung "Düngen - Schützen - Ernten" des Landwirtschaftsmuseums Schleswig-Holstein in Meldorf / Dithmarschen um.
Klassischer Jauchewagen von früher:
und dazu die handbetriebene Güllepumpe:
Eine von Ochsen oder Pferden gezogene Feldspritze aus dem Hause Holder kurz nach dem 2. WK.
Auch wenn die nächste Feldspritze schon etwas moderner ist (Pumpe mit Zapfwellenantrieb) verfügt sie noch über ein Holzfass:
Fendt Geräteträger (denn es sogar in TT gibt) mit einem Amazone Walzendüngerstreuer aus dem Jahr 1940:
Der beste Dünger ist der Mist: Der Allgäuer Dungautomat der Firma Streif Streumaschinen KG mit seitlicher Dungausbringung:
Der Mist muss auch irgendwie auf den Wagen kommen: Es eigneten sich dazu idealerweise Lafettenbagger, die über die Zapfwelle des Traktors angetrieben wurde. Eine recht bekannte Firma in der BRD war die Firma Atlas aus Delmenhorst. Hier haben ein Exemplar einer weniger bekannten Firma aus Südbaden. Mit dem Griesser Mammut aus dem Jahr 1980 wurde sehr pfleglich umgegangen. Der Bagger befindet sich im unrestaurierten Originalzustand:
Fendt Dieselross mit einem Vicon Kalk-/Mineraldüngerstreuer von 1965:
Lanz Bulldog geht immer:
FAMO Raupen wurden nach dem 2. WK nicht nur in der DDR (VEB Traktorenwerk Brandenburg) weiter entwickelt und gebaut. Auch in der München fertigte die Waggonfabrik Josef Rathgeber Nachbauten der Breslauer Raupenschlepper. Auftraggeber war eine von ehemaligen FAMO-Beschäftigten gegründete Vertriebsgesellschaft.
Die Moorburger Trecker-Werke fertigten ab 1938 den Ritscher N14 Dreirradtraktor. Hervorgegangen waren die Moorburger Traktorenwerke aus einer (Abbruch-) Werft in Hamburg. Die Idee für die Dreiradschlepper brachte Karl Ritscher aus dem USA mit. Die Dreiräder waren kostengünstiger in der Herstellung und am Ende auf für den Kunden. Ab den 1950er Jahren setzte man vierrädrige Trecker und Geräteträger. Deutz und Güldner nahmen unter eigenen Namen die Geräteträger in ihr Sortiment auf. Anfang der 1960er Jahr war der Bedarf gedeckt und die Umsetze gingen in den Keller. Karl Ritscher verkaufte sein Unternehmen an die Berliner Maschinenbau AG (vormals L. Schwartzkopff). Die Traktorenproduktion wurde 1963 eingestellt. Diese Dreirad lief früher im Bezirk Schwerin:
Ein geniales gehasstes Kind: MB-trac 65/70.
In den 1960er Jahren begannen Unimog-Ingenieure mit der Entwicklung des Traktors, der die Vorteile eines Unimogs und eines herkömmlichen Traktors vereint. Das Projekt war in der obersten Ebene mehr als umstritten. Es gab "Betonköpfe" bei Mercedes-Benz, die meinten, dass der Unimog alles kann. U.a. ist war damals der Blick auf die Heckanbaugeräte ein Problem. Somit gab es wenig Geld für die Entwicklung. Das sieht man ganz gut an der Kabine und Haube, wo aufwendige Formteile vermieden wurden. Trotz der Bedenkenträger wurde der MB-trac nach seiner Markteinführung zum Erfolgsmodell und konnte sich von seinem nahezu zeitgleich eingeführten Konkurrenten Deutz INTRAC.
Ende der 1980 verschlechterte sich die Stimmung auf dem deutschen Landmaschinenmarkt. Die Umsätze gingen zurück. Deutz und Mercedes wollten zusammen einen Nachfolger für ihre Modellreihen entwickeln. Die Zusammenarbeit kam jedoch nicht zustande. Mit der Wende kam plötzlich eine Nachfrage nach einem leistungsstarken MB-trac. So wurde recht schnell ein Prototyp des MB-trac 1800 intercooler geschaffen. Allerdings war man nicht in der Lage ihn offiziell in Gaggenau zu bauen. Die 190 Traktoren wurden bei einer Unimog-Generalvertretung in Karlsruhe aus einem MB-trac 1600 turbo umgebaut. Zu dem Zeitpunkt war aber schon die Einstellung der kompletten MB-trac Produktion beschlossen und besiegelt.
Die Fertigung wurde zu LTS nach Schönebeck gegeben. Allerdings durfte nicht der Stern als Marke weiterverwendet werden. Was nützt das beste Produkt, wenn man keinen weltweiten Vertrieb hat? Daran ist man in Schönebeck gescheitert. Später übernahm Doppstadt, die keinerlei Expertise in der Landtechnik hatten, das Unternehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte Claas Interesse von an dem trac-Konzept und der Produktion in Schönebeck. Nur einen Zuschlag haben sie nicht bekommen. Dabei war das trac-Konzept noch nicht vom Tisch. Bei Claas lief 2003 der erste Xerion vom Band. Bereits 1994 brachte Fendt den Xylon auf den Markt.
Irgendwann kommt die Zeit der Ernte:
Getreide mit dem Massey-Ferguson MD 630 S (Bauzeit: 1956 - 1963), wobei der Landwirt zwischen einem Benzin-Motor (VW) oder Diesel (Perkins) wählen konnte:
oder Mais mit dem NEW HOLLAND 1880 Maishäcksler von 1971
In den Empore des Museums gibt es seit kurzem eine museumseigene SIKUCONTROL - Anlage, wo die Kids und ihre Mütter ihren Spaß haben.
Wer mal in Dithmarschen ist, sollte auch mal im Landwirtschaftsmuseum Schleswig-Holstein vorbei schauen. Der Eintritt von 4,- € tut nicht weh.