Der Laden, von dem
@jörg62 berichtet, scheint mir extrem rar und für mich (im Südwesten Deutschlands) sehr weit weg.
Ich denke, zum allgemeinen Kulturwandel beim Einkaufsverhalten kommt hinzu, dass die breite Nachfrage fehlt, ohne die die Modellbahnläden nicht dauerhaft überleben können. Wir betreiben ein Hobby von (mehr oder weniger) Spezialisten, die ein bestimmtes Modell in bestimmter Ausführung (Bahnverwaltung, Lackierungsvariante, Betriebsnummer...) wollen. Die Kundschaft, die früher eben mal ein Startset oder eine weitere Lok, ein paar hübsche Wagen, ein paar Gleise und Weichen, etwas Zubehör für den Nachwuchs/Enkel/Neffen etc. gekauft hat - und sicher sein konnte, damit Freude zu stiften -, gibt es praktisch nicht mehr.
Klar, mich in Lörrach vor Jahrzehnten im Modellbahnladen herumzudrücken, gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Dass sie TT nicht geführt haben, war egal - ich hatte eh kein Geld. Zum Kucken war das H0- und N-Angebot Unterhaltung genug. Aber es gibt die Kinder und Jugendlichen praktisch nicht mehr, die sich nach Modelleisenbahn sehnen. Weder welche mit, noch welche ohne Geld (bei denen man zumindest hoffen könnte, dass sie später mal kaufen).
Zudem bietet der Ladenbesuch uns übrig gebliebenen Käufern kaum noch einen Informationswert. Wir informieren uns hier im Forum und im restlichen Internet bis ins kleinste Detail, noch ehe das Modell auf dem Markt ist. Von Neuheiten erfahren wir kaum später als die Händler. Es gibt für uns im Laden nichts Neues zu entdecken. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von uns den Laden betritt und das Modell auch will, das gerade da ist, ist doch kaum höher als bei einem Lottogewinn. Es sei denn, der Warenbestand ist riesig - und das geht eigentlich (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, s.o.) nur in Verbindung mit einem florierenden Onlinehandel oder (auf unsere Spur bezogen) in tiefstem TT-Kernland.
Wir können die Entwicklung bedauern. Aber mir scheint, dass wir, die wir den Großteil der TT-Kaufkraft repräsentieren, ein aktiver Teil dieser Entwicklung sind.
Und ich möchte eine Lanze für den (guten) Online-Handel brechen: Ich weiß ja nicht, wo ihr einkauft. Wo ich bestelle, ist das Einkaufserlebnis gut. Beratung brauche ich nicht. Wunschzettel-, Such- und Filterfunktionen und Verfügbarkeitsanzeige helfen mir bei der Orientierung und Planung. Die Abwicklung bis hin zu seltenen Reklamationen ist schnell und unkompliziert, es antworten auf Nachfrage echte Menschen. Meine Einkäufe sind dokumentiert und nachvollziehbar... Ich fühle mich gut behandelt. Und das Gefühl von TT-Diaspora ist verschwunden.